Seit 1901: Wintermoor und die Heidebahn

Vom Bahnhof Wintermoor bestehen Verbindungen fast im stündlichen Abstand in Richtung Süden (Soltau/Hannover) und Norden (Buchholz/Hamburg). Der erste Zug der Heidebahn hält gegen 4:30 Uhr in Wintermoor und das letzte Mal am Tag wird die Haltestelle kurz nach Mitternacht angesteuert. Wintermoor ist ein HVV Bahnhof für Monats- und Wochenkarten.

Zu den Heideattraktionen Wilseder Berg, Niederhaverbeck und Wilsede gelangt man als Zugreisender am schnellsten über den Haltepunkt Wintermoor. Direkt am Naturpark Lüneburger Heide gelegen bietet sich der Bahnhof Wintermoor als idealer Ausgangs- oder Endpunkt für Wanderungen und Radtouren z.B. zu den grössten zusammenhängenden Heideflächen Europas an.

Hier können Sie die aktuelle Fahrtzeiten von EriXX: Der Heidesprinter sehen: www.erixx.de

Zur direkten Fahrplanauskunft: www.bahn.de

In Wintermoor bestehen Anschlüsse an die Bushaltestelle von zwei Linien des kostenlosen Heide-Shuttles (Ring 1 und Ring 2), der im Sommer verkehrt.


Daten

Kursbuchstrecke (DB): 123 Hannover - Buchholz (Nordheide)
Streckenlänge: 133,1 km
Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h

Erixx in der Heide
Geschichte

Am 30.9.1901 versammelten sich viele Schaulustige in Wintermoor am Bahnhof des damals 106 Seelen-Dorfes, um der Eröffnung der Strecke Buchholz-Soltau beizuwohnen. Zahlreiche Honoratioren aus Berlin, Hannover und der Region befuhren die Heidebahn zur Eröffnung in einem Sonderzug und wurden an den Stationen mit Ehrenpforten, Gesangseinlagen und Festreden bei prächtigem "Kaiserwetter" ausgiebig begrüßt.

Somit war die Heidebahn, deren Ausbau die Strecken Hannover-Walsrode und Walsrode-Soltau voran gegangen war, geboren. Nachdem am 7. Dezember 1835 zwischen Nürnberg und Fürth erstmalig Personen und Güter mit einer dampfbetriebenen Lokomotive befördert wurden brach in Deutschland ein regelrechter Eisenbahnboom aus, der 66 Jahre später dann auch Wintermoor an der Chaussee erreichte.

Bahnhof Wintermoor 1910

Bahnhof Wintermoor 1910

Für die Wintermoorer, deren Haupterwerb die Landwirtschaft und Viehzucht war, brach eine neue Zeit an. Ein regelrechter Boom an "Sommerfrischlern" und Wanderern, die mit Sonderzügen am Wochenende stündlich in Wintermoor anreisten, überschwemmten die Lüneburger Heide, was nicht nur die Gastronomie im Ort erblühen ließ. Die Großstädter liebten die Heide wie auch die landwirtschaftlichen Erzeugnisse - Kartoffel, Honig und Wurst - die von den hiesigen Bauern angeboten wurden. Der Bahnhof hieß damals "Wintermoor - Lüneburger Heide" Bahnhof.

In den ersten Jahrzenten des letzten Jahrhunderts war der Wintermoorer Bahnhof der Inbegriff für Erholung in der Heide. Ein hohes Verkehrsaufkommen hatte die Bahn an Wochenenden von Wintermoor über Buchholz zum Hannoverschen Bahnhof in Hamburg zu verzeichnen. Zwischen 18 und 23 Uhr fuhren sonntags acht Züge von hier ab, um die Wandergruppen aus der Lüneburger Heide nach Hamburg zurückzubringen.

Die Heidebahn hatte für den Fremdenverkehr in der Lüneburger Heide den Grundstein gelegt, der auch heute noch zu den wichtigsten Wirtschaftssäulen der Region gehört.

Böhme Zeitung 3.9. 1909: Wilsede: Zu dem Eingesandt in diesem Blatte vom 30. August bemerkt ein Augenzeuge, dass es viel zu niedrig gegriffen ist, wenn man animmt dass Wilsede am letzten Sonntag von 1 500 Personen besucht wurde. Schreiber dieses versichert, dass allein der Bahnhof Wintermoor am Sonntag 29. August, von mindestens 5 000 Personen passiert wurde.

Kriegszeit

Doch alles hat seine Zeit. Die dunklen Kapitel der Heidebahn spielten sich während der beiden Weltkriege ab. Gefangenentransporte mit Tausenden von Menschen rollten über die Heidebahn zum sogenannten "Belgischen Lager" nach Wolterdingen. Am 9. April 1945 wurde der Wintermoorer Bahnhof von englischen Kampfflugzeugen bombardiert. Munitionswaggons, die - wie ein KZ-Zug - hier abgestellt waren, explodierten. Im weiten Umkreis des Bahnhofes bot den Einwohnern ein Bild des Grauens der Verwüstung.

Krise
Bahnhof Wintermoor 50er

Bahnhof Wintermoor 70er - Jahre mit zwei sogenannten Schienenbussen

Nachdem 1946 der Bahnhof, jetzt mit einem Stellwerk ausgerüstet, wieder aufgebaut war, sollte es in den 50er und 60er Jahren wieder aufwärts gehen, doch wer es sich leisten konnte fuhr jetzt Automobil. Trotz des Pendlerverkehrs in die Metropolen Hamburg und Hannover drohte wie vielen anderen Nebenstrecken auch der Heidebahn die Stilllegung.

Bahnhof Wintermoor 80er

Bahnhof Wintermoor 80er - Jahre mit einem lokomotivbespannten Eilzug

Rettung der Heidebahn

Erste Proteste wurden bereits 1978 laut und 1984 gründete sich der Aktionskreis "Rettet die Heidebahn" in Schneverdingen. Es wurde ein Sonderzugprogramm mit Unterstützung des Aktionskreises eingerichtet.

Schließlich sind ab 1989 neue Triebwagen auf der Heidebahn eingesetzt worden. Am 28.5.1989 kam es zur Einführung der neuen Heidebahn. Mit Beginn des Sommerfahrplans, traten die grünweißen Triebwagen der Reihe 628 ihren Dienst auf der Heidebahn an und wurden von der Bevölkerung positiv aufgenommen.

Umbauzug

Wiebe - Umbauzug zw. Wintermoor - Handeloh 2011

Ausbau und Modernisierung

2007 sind die Verträge zur Sanierung der Heidebahn unterzeichnet worden und ab 2009 begann der Ausbau. Die Abschnitte der Heidebahn zwischen Hannover - Walsrode und Soltau - Buchholz sind in den letzten Jahren ertüchtigt und die Geschwindigkeit dank der höheren Streckengeschwindigkeit und der spurtstarken Triebwagen von 80 km/h auf 120 km/h erhöht worden. Die Fahrtzeit Buchholz - Wintermoor liegt nun bei 18 Minuten. Der Ausbau des mittleren 26 km langen Bauabschnittes zwischen Walsrode und Soltau erfolgte bis Ende 2016. Die Fahrtzeit Wintermoor - Hannover beträgt nun 1,5 h.f

Viele Bahnübergänge sind mit neuen Sicherungsanlagen und Schranken versehen. Kleinere Übergänge werden teilweise geschlossen oder mit Umlaufsperren ausgerüstet.

Die umfangreichen Gleisbauarbeiten, die bereits seit Mai 2009 begonnen haben, werden mit der größten Gleisbaumaschine Europas ausgeführt. Für viele Anlieger und Eisenbahn-Fans ein riesiges Ereignis diesem 1 km langen Zug bei der Arbeit zuzusehen.

Die geschätzten Kosten der Ertüchtigung der Heidebahn betragen ca. 163 Millionen Euro. Seit Dezember 2011 werden die 120 km/h schnellen Alstom Coradia LINT TM 41 auf der Heidebahn eingesetzt. Die Regionaltriebwagen sind nach den neuesten Bedingungen zur Barrierefreiheit, zur Sicherheit an Bord und mit modernen Rußpartikelfiltern ausgestattet.

Am Bahnsteig

Bahnhof Wintermoor 2012

Der Bahnhof Wintermoor hat seine Ein-und Ausstiegszahlen in den letzten Jahren kontinuierlich steigern können. Aufgrund dieser positive Entwicklung wird diese Bahnstation erhalten und bis Anfang 2017 für ca. 650 000 € barrierefrei ausgebaut.

111 Jahre Heidebahn Party

Am 30.9. 2012 fand in Wintermoor ein großes Fest zum 111. Geburtstag des Bahnhofs statt mit dem Ziel auch die nächsten 111 Jahre zu einer Erfolgsgeschichte auf Schienen werden zu lassen.